Recap der SXSW 2014 InteractiveGerman Folks House

2015-02-23 13:07:00 am Montag, 23. Februar 2015

Wir waren während der SXSW Interactive in ein gemeinsames Haus gezogen und hatten unsere Freunde, Kollegen und Kunden mit im Gepäck. Aus der Idee einer kleinen Reisegruppe mit 10 Leuten ist eine 60-köpfige Delegation geworden, die nun in Austin Texas in mehreren Häusern wohnt und eine Woche lang wie auf Klassenfahrt gemeinsam die Konferenz erlebt.

Einer der Bewohner im German Folks House der SXSW 2014 war Patrick Aust, der hier seinen ganz persönlichen Recap schreibt:

“Und was nimmst du mit? Ich meine so an richtig handfesten Dingen, die du direkt für die Firma und dein Business nutzen kannst?”

Diese Frage habe ich in den letzten Tagen desöfteren gehört seit dem ich wieder da bin. Eine Antwort bin ich bislang jedes mal schuldig geblieben. Stattdessen gabs immer ein vielversprechendes Schulter zucken mit der Aussage: “...du warst ja nicht dabei!”.

Schwingt da ein gewisses Eliteempfinden mit? “Ich war da und ihr nicht?”. Eindeutiges Nein.

Besser trifft es aus meiner Sicht die oft gebrauchte und des Pathos zurecht verdächtige Feststellung, dass das Ganze schwerlich zu beschreiben ist. Um eine konkrete Aussage darüber treffen zu können, was diese Melange an Eindrücken mit einem machen kann, hätte man, nun ja, einfach da sein sollen.

App? nett gemeint!

Die Vorbereitung im Vorfeld entsprach eher konservativer herangehensweise: App runter geladen, Sessions ausgewählt. Der erste signifikante Unterschied zu anderen Konferenzprogrammen ist allerdings: fünf Tage Programm mit über 800 Sessions allein für den Interactive Teil der Konferenz. Dauert ein paar Minuten bis man das für sich ein bisschen sortiert hat und zumindest einen - eingebildeten - Überblick hat. Entrepreneur-Themen, Social-Themen, Business-Themen, Online-Marketing-Themen, Social-Good-Themen, Wearable-Themen, Katzen-Themen (sic!) und ne Menge vielversprechende Keynotes. Ok: über 25 Veranstaltungen für den ersten Tag ist ambitioniert

Jegliche detaillierte Planung war mit Beginn des ersten Tages komplett für die Tonne

ich habe die Floskel ‘"sich treiben lassen" im Hinblick auf bisherige Konferenzen noch nie als so zwingend wörtlich empfunden wie in Austin: bewaffnet mit Telefon und Battery-Pack (12.500 mAh, Life-Saver!) sowie offenen Augen und Ohren hat sich einfach keine Situation ergeben, in der sich nichts ergeben hätte (Sehr gerne: drei Euro ins Phrasenschwein). Die Stadt bot vom ersten Tag an allen Ecken und Enden von Anfang bis Ende eine absolut hin- und mitreißende Atmosphäre. Fairerweise zu gestehen: natürlich macht Austin es einem als Hamburger nicht allzu scher: 15-20 Grad, fast kein Regen, frühlingslaues Lüftchen, das Zentrum so eng beieinander, dass Flanieren zum guten Ton gehört! Außerdem: offizielles Stadtmotto: „Keep Austin weird!“

Invasion ins gallische Dorf

Zum einen sind da – neben den "Weird- Austin-Locals" -  ja ca. 30.000 Interactive Besucher. Allesamt Leute, die – ebenfalls grundausgestattet mit Battery-Pack und Telefon - bedingungslos bereit waren zum staunen, austauschen und zum Ideen spinnen. Zwischendurch kommt es einem auf der Straße vor, als wenn man durch sein Jugendviertel läuft: an jeder Kreuzung trifft man irgendeinen alten Kollegen, der grad Lust hat, einen kleinen Schnack über die ihn weltbewegenden und wichtigsten Themen zu führen: “Battery? Coffee? Oh, from Germany, what kind of business? Interesting! Cool! Yeah, Austin is awesome!”. Und dann auf zur nächsten Kreuzung, zur nächsten Straßenecke!

Zum anderen sind da natürlich die German Folks, die immer nur maximal einen Glimpse entfernt sind und in ständiger Facebook Präsenz dafür sorgen, dass man gefühlt nichts verpasst. Welche Session? Ah ok! Kaffee trinken? Yep!, 3D-gedruckter-Oreo-Cookie? Auf jeden Fall! Salat bei Whole-Foods? Innit! Ja, es wirkte zwischenzeitlich: positiv familiär

Spontan Lust hat auf Shaq O’Neill 

Und die Sessions? Die, die man besucht, haben mit dem ursprünglichen Schedule meist nichts zu tun. Warum? weil man dann eben spontan Lust hat auf Shaq O’Neill -  Begrüßung: “You are now at Shaq By Shaq West”, oder Nas, der es auf galant gelangweilt naive Art und Weise schafft, den ungebildeten Anti-Business-Guy zu mimen. Mark Cuban spricht neben Business vor allem über - natürlich - die NBA und Shark-Tank. Randi Zuckerberg palavert gut gelaunt mit Dana Brunetti über House of Cards und der Zukunft des Producings. Alles nur eine kleine Linsenweite und einen weiteren Instagramm-Post entfernt. Dank HDR sogar in erträglicher Qualität. Und selbst Edward Snowden kann man durch 8-fache Proxyverschlüsselung zumindest akkustisch noch sehr gut verstehen. Für Grumpy-Cat ziehe ich die „Ist mir zu voll“-Ausrede und Jürgen Klinsmann, naja...

Hinzu kommt: man schafft es ziemlich oft einfach zeitlich nicht mehr zur geplanten Session und “muss” deshalb auf gut Glück in eine andere Location zu einem anderen Panel. Auf dem Weg dahin: “Battery? Coffee? Oh, from Germany, what kind of business? Interesting! Cool! Yeah, Austin is awesome!”.

Endless flow in Austin

So läufts und läufts und läufts, man ist immer mehr und immer tiefer drin. Und auf einmal sind fünf Tage Interactive rum. Und dann stellt man sich das erste mal selbst die Frage: habe ich etwas mit genommen? Allein: jetzt geht ja der Musikpart los, da bleibt jetzt leider keine Zeit zum drüber nachdenken

Die Beste Session?

Einmal: die Jungs und Mädels von ‚funnyordie.com’ – einem von Will Ferrell finanzierten US-Blog - die es in einer einstündigen Exclusive-Panel-Show ununterbrochen schaffen, dass man nicht nur lacht, sondern von Minute zu Minute mehr begreift: Hola! Die sind einfach so erfolgreich weil sie unabdingbar für ihre Sache brennen. Weil es einfach keine Ende gibt, wenn man Bock auf den Kram hat, den man machen will! Und hier kommen wir dann doch mal zum Ende, meinem persönlichen Mitnahmeeffekt: im nächsten Jahr schaue ich mir ausschließlich Panels und Sessions an, die von vornherein Spaß und Enthusiasmus versprechen. Denn: dann kann ich noch mehr Luft atmen von Leuten, die ebenfalls aus Überzeugung tun was sie tun. Besseres kann mir nicht passieren. Außer vielleicht: “Battery? Coffee? Oh, from Germany, what kind of business? Interesting! Cool! Yeah, Austin is awesome!”

Es sind die Zwischentöne, die bei mir hängen bleiben. Und auf die werde ich im nächsten Jahr noch mehr hören und sie nutzen. Egal ob beruflich, kommunikativ, musikalisch oder einfach zum Spaß!



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Curt Simon Harlinghausen

CDO EMEA der Starcom Mediavest Group. Seit Jahren bringt er nicht nur während der SXSW die richtigen Menschen zusammen.


Pascal Fantou

Experte für Data Driven Business. Auf der SXSW stellt er die verrücktesten Ideen auf den Business-Prüfstand.


Michael Praetorius

Publizist und Digitalstratege. Im German Folks House moderiert er die täglichen Morningshows.